Aktuelle Mitteilungen
der Jahresringe Ortsgruppe Hennigsdorf e.V.

Jahresringe 2019
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Wir trauern um Herbert Kinder


Herbert Kinder

  * am 10. 11. 1934       2. Januar 2019

Am Beginn des neuen Jahres haben die "Jahresringe Hennigsdorf e.V". ihren langjährigen Vorsitzenden und Mitbegründer verloren.


Die Beerdigung fand am 15. Januar 2019 um 12.30 Uhr
auf dem Waldfriedhof Hennigsdorf statt.
Nachruf der WGH

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Von Single Treff bis Angehörigenberatung
Ein aktueller Beitrag in der WGH Broschüre zur Arbeit der Jahresringe e.V.

Im Seniorenverein Jahresringe e.V. gehören Geselligkeit und individuelle Beratung zum Konzept

Montags Skat. Dienstags am Vormittag Sprechstunde, am Nachmittag Kegeln in der Edisonstraße, Seniorentanz und seit Neuestem Sitzgymnastik im Stadtklubhaus oder Kurzstreckenwandern ab Waldfriedhof. Meist mittwochs tagen die Gremien, kommt zweimal im Monat der Single Treff zusammen, Donnerstags ist Zeit für Gymnastik, Schwimmen, Rommé oder Wandern. Wir sind am Freitag mit Herbert Kinder vom Vereinsvorstand Jahresringe e.V. verabredet. Da geht es auch in der Begegnungsstätte, dem Vereinssitz in der Feldstraße 27, etwas ruhiger zu.

"Wer anderen hilft, hilft sich selbst" das Motto von Jahresringe e.V. prangt in großen Lettern über den Stühlen und Tischen im zentralen Vereinsraum, um den sich Küche, Toiletten und ein Arbeitsraum gruppieren. "Das Motto hat auch nach nunmehr 26 Jahren noch immer seine Berechtigung", nimmt Herbert Kinder die Antwort vorweg, "nur hätten sich die Aufgaben ein wenig gewandelt. Ging es im Gründungsjahr 1990 und danach noch vorwiegend darum, andere und sich selbst in den schmerzlichen Umbrüchen der Wendejahre aufzufangen und zu begleiten, dominiert heute eher klassische Seniorenarbeit das Vereinsleben".
"Aber nicht nur", wendet Evelyn Schultz,im Verein für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, ein. "Dienstags von 9 bis 11 Uhr während der für jedermann offenen und kostenlosen Sprechstunde leisten wir noch immer viel Beratungsarbeit in sozialen Angelegenheiten." Als Beispiel nennt sie solche komplizierten Themen, wie die Patientenverfügung und die Vorsorgevollmacht auch für nahe Angehörige, die in der Beratung oft angefragt werden. "Viele glauben", sagt Herbert Kinder, " dass beim Verlust der Geschäftsfähigkeit etwa für den Ehepartner sich alles wie im Selbstlauf regelt." Er oder sie wären die natürlichen Ansprechpartner der Ärzte, Doch das erweise sich schnell als Irrtum, dem einige Vereinsmitglieder einst auch erlegen waren. Daraus habe man vor ein paar Jahren gelernt und mit Hennigsdorfer Medizinern und Rechtsanwälten eine qualifizierte Patientenverfügung erarbeitet. "Die erläutern wir in unserer Sprechstunde gerne und händigen sie zusammen mit einem Notfallchip, auf der alle für den Arzt wichtigen Informationen eingetragen werden können, gegen einen kleinen Unkostenbeitrag aus", sagt Evelyn Schultz.
Seniorentanz im Stadtklubhaus
Für solche und andere Impulse in der Seniorenarbeit sind Frau Rosemarie Mehlmann und Herr Herbert Kinder bereits mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Mit einigem Stolz weist Herbert Kinder auf die früheren Vereinsinitiativen zur Durchsetzung einer Abfindungszahlung für Vorruheständler oder die Gleichstellung der ostdeutschen Technischen Intelligenz bei der Rentenberechnung hin. Auch die Wohnungswirtschaft habe man bei der Beschaffung von Fördermitteln zum nachträglichen Anbau von Aufzügen unterstützt. Wobei Jahresringe e.V. auch eng mit dem Vorstand der WGH kooperierten, wie Herbert Kinder, der seit 20 Jahren auch Mitglied der Genossenschaft ist, berichtet.
Wenn die letzten Ziele des Vereins etwas enger gesteckt waren, sagt er, inzwischen selbst 82 Jahre alt, dann weil viele Mitglieder des Vereins inzwischen im vorgerückten Alter angekommen wären. Auf eine relativ stabile Zahl von rund 250 Mitgliedern könne man dennoch verweisen.



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L a u d a t i o
zum 25. Jahrestag der JAHRESRINGE im Land Brandenburg

Nach der politischen Wende vor 26 Jahren wurden im Land Brandenburg ca. 150.000 und in den neuen Bundesländern insgesamt ca. 1 Mio. Berufstätige im Alter ab 55 Jahre in den Vorruhestand entlassen.
Eine neue Rechtsordnung mit Altersübergang, Vorruhestand, Wegfall von Betriebsbonitäten und jahrzehntelanger Zusammengehörigkeit in festgefügten Kollektiven sowie persönliche Verantwortung mussten neu gelernt werden. Dieser ungewohnte Zustand war mit Arbeitslosigkeit, Verunsicherung, Perspektivlosigkeit bis zu einer eventuellen Rente mit psychosomatischen Störungen gleichzusetzen.
Unsere Vision zur Gründung eines bundesweiten Gemeinwesenverbandes JAHRESRINGE als Interessenvertreter und Auffangbecken war die optimale Lösung unabhängig von jeder politischen und Glaubensideologie. Diesem Gründungsakt mit sozialwissenschaftlicher Untermauerung und engagierter Unterstützung des Sozialwerkes Berlin mit Frau und Herrn Tresenreuter sowie Herrn Ruppelt kann nicht genügend gewürdigt werden.
Ohne diese Anschubförderung könnten die JAHRESRINGE keinen 25.en Jahrestag feiern.
Die Satzungen der Ortsgruppen, Landesverbände und des Gesamtverbandes sicherten eine kontinuierliche Entwicklung, die sozialpolitische Interessenvertretung, die Bewältigung des neuen Alltags, die Mitverantwortung für die sozial schwächeren Mitmenschen und die persönliche Gesundung nach dem Grundsatz: "Wer anderen hilft, hilft sich selbst."
In Zusammenarbeit mit den Organisationen BAGSO, EURAG, DPWV, Verbraucherzentralen, DRK, Kommunen, Seniorenbeiräte, Sozialministerien und Universitäten konnten die eigenen Ergebnisse in vielen Sozialprojekten, insbesondere der Altenhilfe, potenziert werden.
Leider ist es den JAHRESRINGEN nicht gelungen, hunderttausende Betroffene als ständige Mitglieder zu werben bzw. zu erhalten.
Nach großen Erfolgen, die anschließend genannt werden, war eine weitere Mitgliedschaft nicht mehr relevant.
Die geschichtliche Entwicklung der JAHRESRINGE macht nach 25 Jahren deutlich:

- Ein Durchschnittsalter von 70 Jahren bei den Mitgliedern
- Ausfall von Führungs- und Leitungskadern durch Krankheit und Tod
- Desinteresse neuer, jüngerer Vorruheständler mit einer veränderten Berufsbiografie
- Allgemeine Gewöhnung in einen auskommenden Ruhestand.

Mit den JAHRESRINGEN wurde in den vergangenen 25 Jahren eine wichtige notwendige gesellschaftspolitische Lücke geschlossen, erfolgreich Sozialgeschichte geschrieben und insbesondere den Vorruheständlern ein altersgerechtes Leben in Würde gestaltet.
Gestatten Sie mir diesbezüglich Fakten zu nennen: - Durchsetzung einer Abfindungszahlung für die Betriebsrentenansprüche für Vorruheständler
- Gleichstellung der Technischen Intelligenz bei der Rentenberechnung zu den alten Bundesländern
- Durchsetzung des Förderprogramms 50 plus als Anschubfinanzierung
- Sozialpolitische Beeinflussung der Landesregierung Brandenburg zur nachträglichen Finanzierung und Montage von Aufzügen im Rahmen "Wohnen im Alter"
- Ausbau von Begegnungsstätten zur Wohltätigkeit und Hilfsbereitschaft mit Projekten und Interessenguppen
- Durchsetzung einer institutionellen Förderung sowie Projektförderung mit der Stadtverwaltung Hennigsdorf
- Auszeichnung verdienter Leistungsträger mit dem Gemeinwesenpreis und Würdigung zum "Tag des älteren Bürgers"
- 25 Geschäftsjahresabschlüsse mit schwarzen Zahlen
- Würdigung mit zwei Bundesverdienstkreuzen.
Auch zukünftig haben wir im Rahmen der ehrenamtlichen Arbeit eine in unserem fortgeschrittenen Leben veränderte Situation, persönlich die Teilnahme entscheiden zu können. Sie erzeugt eine ganz veränderte Haltung zur Arbeit.
Wir haben ein Leben lang in unseren Berufen gearbeitet und doch war stets auch das Bewusstsein, das Gefühl eines "Druckes" dabei, eines "gnadenlos Verpflichtet-Seins", wie es ja alle Menschen kennen und erleben, die an Arbeitsverträgen gebunden sind.
Das ganz neue Gefühl der "Vertragslosigkeit", des nicht vorhandenen "Zwanges", ist so schön, dass wir allen Menschen wünschen möchten, ihnen wäre vergönnt, so arbeiten zu können.
Es entsteht eine Freiheit gegenüber der sozialen Aufgabe, an der man arbeitet, wie wir sie vorher nicht kannten.
Das Bewusstsein, Du musst nicht, du machst es, weil Du es machen willst und weil Du das Glück hast, dass Du es machen kannst, das ergibt ein Gefühl von Unabhängigkeit, was alles doppelt einfach macht.